Geschichte

1900

Unternehmensgründer Franz Nückel wird um die 1870er im Sauerland geboren. Nach der Schule findet er Arbeit in einer kleinen Strumpffabrik der Gebrüder Vogt in Oberkirchen. Dort macht er mit Erfolg seine ersten Erfahrungen in der Textilbranche und wird an die Firma Heinemann in Düsseldorf vermittelt. Hier beendet Franz Nückel seine Ausbildung zum Textilkaufmann.

Um die Jahrhundertwende beschließt der 33-jährige sich mit einem Geschäft selbstständig zu machen. Die Wahl fällt auf das zum boomenden Ruhrgebiet gehörige Recklinghausen, damals eine Kleinstadt mit 10.000 Einwohnern.

Im Herbst 1900 eröffnet Franz Nückel mit seinem Partner das erste Ladenlokal „Redecker & Nückel". Im Sortiment befinden sich „Kurz-, Weiss- und Wollwaren“. Die Partnerschaft währt jedoch nicht lange und so tritt Franz Nückel aus der jungen Firma aus und zieht an einen besseren Ort. Im Oktober 1903 ins Haus am Markt 7.

Das junge Geschäft profitiert dabei besonders von den vielen Bergleuten und ihren Familien. Unter den Kunden waren damals auch viele Einwanderer, die durch die blühenden Zechen angeworben wurden. So waren etwa ein Viertel der Recklinghausener Bevölkerung Polen. Nückel waren diese Kunden so wichtig, dass in seine Wäsche stets der Spruch „Guten Morgen, liebe Frau“ in polnisch eingestickt wurde.

1930

In den Gründerjahren hatte Nückels Stammhaus am Recklingerhauser Markt einen guten Ruf im vestischen Raum. Allerdings zeigte sich bald, dass sich das ursprüngliche Konzept von „einfacher und günstiger“ Kleidung überlebt hatte.

Der 1907 geborene Sohn des Firmengründers, Rudolf Nückel erkannte während seiner Lehrjahre in Münster, dass sich die Lust an der Mode nun nicht mehr auf das Bürgertum beschränkte. 1934 übernahm Rudolf Nückel nach dem Tod seines Vaters die Geschäftsleitung und brachte eben diese Erfahrungen ein. Von dort an spezialisierte sich Nückel auf Qualitätskleidung, ein Konzept, das bis heute Bestand hat.

1940

In schlechten Zeiten tritt die Mode notgedrungen hinter Grundbedürfnisse zurück. 1939 war im gesamten deutschen Reich die Bewirtschaftung von Waren und Lebensmitteln eingeführt worden. Nur wer eine „Kleiderkarte“ vorlegen konnte, durfte überhaupt Textilien, Wäsche, Schuhe oder selbst Kurzwaren kaufen.

Auch 1946 änderte sich daran wenig. Das Geschäft in Recklinghausen war wie leergefegt und wurde nur mit Mühe und Not offen gehalten. Da die alte „Reichsmark“ wertlos geworden war, ließ sich Ware nur noch im Tauschhandel beschaffen. Rudolf Nückel wurde in der Not jedoch erfinderisch und sammelte im Ruhrgebiet Stoffreste, Lumpen und Kleiderfetzen ließ sie waschen und brachte sie zum Aufwickeln in Spinnereien, wo daraus wieder Garn gewonnen wurde. Im Gegenzug erhielt Nückel neue Warte für seine Kunden.

1960

Nachdem die Notjahren überwunden waren, füllten sich die Schaufenster Anfang der Fünfziger rasch wieder. Rudol Nückel knüpfte zusammen mit seiner Frau Hety Kontakte zu weiteren Firmen und nahm zusätzliche Artikel ins Sortiment. Oftmals waren es neue Ideen aus Amerika, die damals die Modewelt revolutionierten, wie beispielsweise die ersten „Nylons“, die haltbarer und preiswerter waren.

Auch räumlich expandierte das Unternehmen und stellte 1960 pünktlich zum 60-jährigen Bestehen neuen Verkaufsflächen vor, die fast dreimal so groß waren. Von nun an wurde das Konzept verfolgt „Jeder Abteilung ein Spezialgeschäft“.

Nückel machte sich in den folgenden Jahren mit seiner reichen Auswahl an Kinder- und Babykleidung einen Namen. Die nächste Erweiterung sah dann konsequenterweise ein eigenes Haus für Kindermoden vor. Dieses wurde 1967 eröffnet.

1968

Der Recklinghausener Markt hat sein Aussehen im vergangenen Jahrhundert oft geändert.1922 verschwand die Straßenbahn aus dem Zentrum, fünf Jahre später wurde auch der Wochenmarkt, der hier fast 1000 Jahre abgehalten worden war, aus der Innenstadt verlegt. Wahrzeichen wie das alte Rathaus fielen in den fünfziger Jahren, moderne Hochbauten für Kauf- und Warenhäuser traten an ihre Stelle.

Im Rahmen des durchaus umstrittenen Projekts „Grüne City“ verschwanden 1969 auch die Autos aus der Innenstadt. Stattdessen eröffnete 1970 eine Fußgängerzone.

In der Firma Nückel hingegen hatte es einen sanften Generationswechsel gegeben. 1966 trat Tochter Verena in das Familienunternehmen ein. Nach ihrer Heirat mit dem Diplom-Kaufmann Michael Gatzka übernahm die dritte Generation die Verantwortung. Das junge Paar entschließt sich die Firma gemeinsam weiterzufürhren - obwohl Vater Nückel gewarnt hatte: „Leichter wird es nicht.“

Michael und Verena Gatzka entschieden die Devise „Jeder Abteilung ein eigenes Fachgeschäft“ noch konsequenter umzusetzen. So wurde das dritte Haus „Am Markt Nr. 4“ eröffnet. Hier sollten künftig Herrenmoden und Wäsche mehr Platz finden. Die gesamte Häuserfassade wurde saniert, um dem Altstadtmarkt ein Stück seines ursprünglichen Charakters wiederzugeben. Obwohl es vermutlich einfacher gewesen wäre, alles abzureißen und von vorne zu beginnen, fühlte man sich verpflichtet einen Beitrag zur Verschönerung des Stadtbildes zu leisten. 1983 waren die Bauarbeiten schließlich abgeschlossen.